DAS HAUS DER ZUKUNFT IST NACHHALTIG

FUTUREHaus

FUTUREhaus aus Bad Kreuznach realisiert die Häuser von morgen – und legt da bei besonderen Wert auf Nachhaltigkeit. Das Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern hat das Unternehmen besucht.

Man sieht Thomas Sapper an, dass er stolz darauf ist, was „In den Weingärten“ in Bad Kreuznach aktuell entsteht. Er scherzt mit seinen Bauarbeitern, witzelt vor Ort mit den zukünftigen Bewohnern der neuen Siedlung. Sapper baut mit seiner Firma FUTUREhaus in dem Gebiet im Nordosten von Bad Kreuznach 28 Wohneinheiten (22 Doppelhäuser und 3 Mehrfamilienhäuser) in Massiv-Fertighausbauweise. Er weiß, worüber er in Sachen Fertighausbau spricht: Sapper war lange Zeit bei einem der größten deutschen Fertighausbauer aktiv, 2016 verließ er das Unternehmen, um mit FUTUREhaus seine eigene Firma zu gründen. Sein Ziel: Das Haus der Zukunft zu bauen – nachhaltig und digital.

Solar-Quartier Bad Kreuznach von vonre

So sehen sie aus, die FUTUREhäuser des gleichnamigen Unternehmens. Die Firma setzt dabei auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Fotos: Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern / A. Sell

„Ich habe mich 2016 gefragt: Wie müsste man heutzutage eigentlich ein Fertighaus bauen, wenn man ganz neu anfangen würde?“, erklärt Sapper. Schnell kam er zum Thema Zweitverwertung: Statt auf immer neue Baumaterialien mit hohem CO2-Fußabdruck und wenig Nachhaltigkeit zu setzen, werden FUTUREhäuser mit recyceltem Material gebaut. „Die Frage war dann auch: Wie bekommen wir aus Reststoffen Neubaumaterial? Dann bin ich auf den Holzspanstein gestoßen“, erklärt der Geschäftsführer. Für Sapper war der Zufallsfund ein Glückstreffer: Die Steine bestehen aus mineralisierten Holzspänen, 

Thomas Sapper

Hat das Unternehmen 2016 gegründet: Geschäftsführer Thomas Sapper.

einem Recycling-Material aus der Holzwirtschaft. In den Schalstein wird Beton eingefüllt. Durch die offenporige Schüttung des Holzspansteins ergibt sich für Sapper eine sehr offene Diffusionsfähigkeit und somit ein sehr gutes Wohnklima. Anschließend haben die Mitarbeitenden von FUTUREhaus, das aktuell aus 14 Mitarbeitern in der Verwaltung und acht Mitarbeitern in der Produktion besteht, eine Fertighauswand entwickelt, bei der die Holzspansteine zusammengesetzt und mit einem Spezialkleber auf mineralischer Basis befestigt werden. Die Lösung hat das Unternehmen patentiert.

Nachhaltigkeit von der Produktion bis zum Wohnen

Nachhaltiges Bauen fängt für Geschäftsführer Sapper in der Produktion an. Die Wände werden lokal in Bad Kreuznach produziert und ins nahe gelegene Solar-Quartier geliefert, wo das Haus schließlich entsteht. Dort geht die Nachhaltigkeit weiter: Die fertigen Häuser setzen auf eine spezielle Energieplanung, alle Häuser 

sind direkt mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, außerdem ist direkt eine Ladestation für E-Autos installiert. Sensoren messen den CO2-Gehalt in der Wohnung und steuern entsprechend automatisiert, dass sich Fenster zum Lüften öffnen. Eine Wärmepumpe sorgt im Winter für Wärme, im Sommer entzieht das System die Wärme aus dem Wohnbereich und schickt sie in die Erde. „Nach 28 Jahren werden die FUTUREhäuser dann klimapositiv“, erklärt Sapper. Das heißt, dass die Einsparungen die entstandenen Emissionen übertreffen.

Die Holzspansteine werden nachhaltig gewonnen.

In der Produktion entstehen die Wände für die Häuser.

Abseits vom Haus setzt Sapper auch auf Nachhaltigkeit beim Wohnen. FUTUREhaus stellt dem Quartier noch drei E-Autos, 10 E-Bikes und zwei Lastenfahrräder, die die Bewohner des Solar-Quartiers nutzen können. 

Ein Video zeigt bereits, wie das Haus aussehen wird

Bevor es an die Bauarbeiten geht, müssen die Häuser jedoch erst einmal geplant werden. FUTUREhaus bezieht dabei von Anfang an die Bauherren mit ein: Auf der Webseite findet sich ein Grundrissplaner, mit dem die zukünftigen Eigentümer bereits erste Ideen planen können. „Der Kunde muss sich selbst ausleben können“, sagt Sapper dazu. Wem die Grundrissplanung nicht genug ist, kann bei FUTUREhaus noch eine Visualisierung in Auftrag geben, die das fertige Haus 

Aktuell wird im Solar-Quartier noch gebaut. Die Nachbarschaft soll ein Vorzeigeprojekt in Sachen nachhaltiges Wohnen sein.

mitsamt Umgebung zeigt. Lumion heißt das Programm, mit dem das geschieht. Aufbauend auf einer bestehenden Lösung hat FUTUREhaus das Programm für seine eigenen Anforderungen modifiziert. Dort können Sapper und seine Kollegen das Haus erstellen und mit Kartendaten die Umgebung visualisieren. Auch eine BIM-Schnittstelle zur digitalen Bauwerksdatenmodellierung ist vorhanden. Damit können Häuser digital entworfen und geplant werden. Für zukünftige Bauherren heißt das: Sie können nicht nur sehen, wie ihr Heim auf dem gekauften Grundstück aussieht, sie können zum Beispiel auch direkt den Ausblick aus dem Schlafzimmer nachvollziehen. „Wir können dem Kunden so wirklich zeigen, wie das Haus am Ende aussehen wird und er kann dann sagen: Gefällt mir oder gefällt mir nicht“, meint Sapper.

Auch Änderungen werden mit der Software preislich kalkuliert. So kann der Kunde etwa gegenüberstellen, was ein Fliesenboden im Vergleich zu einem Parkettboden kostet. „Das ist der Bau der Zukunft: Es geht nicht mehr darum, einfach einen Grundriss hinzuzimmern, der Kunde will sehen, wie es wird. Da hat man mit solchen Programmen heute wirklich wahnsinnige Möglichkeiten“, erklärt der Geschäftsführer.

Philipp Hajduk, Leiter der Marketingabteilung, zeigt mit dem Programm Lumion, wie das fertige Haus samt Umgebung aussehen wird. .

Auch neue Bauvorhaben können schnell modelliert werden.

Neben dem Solar-Quartier arbeitet FUTUREhaus an weiteren Projekten, unter anderem an einem Anwesen für eine Wohnungsbaugenossenschaft, bei dem der soziale Wohnungsbau mehr im Vordergrund steht. Sapper ist sich sicher, dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, was die Baubranche in Zukunft sehr stark umtreiben wird. Für seine innovative Idee wurde Sapper mit dem dritten Platz bei der „Pioniergeist“-Preisverleihung der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. „Mir geht’s nicht ums Häuslebaue, mir geht’s ums Gesamtkonzept“, sagt er.

Lust auf Digitalisierung?

Die Lern- und Aktionsplattform LEA zeigt im Kurs „Prozessmanagement als Basis für Digitalisierung“, welche Voraussetzungen im Unternehmen vorhanden sein sollten, um digital durchstarten zu können.

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Über das Unternehmen: FUTUREhaus

Daten und Fakten

FUTUREhaus aus Bad Kreuznach hat sich dem nachhaltigen und digitalen Bauen verschrieben. Aktuell entsteht in Bad Kreuznach das „Solar-Quartier“, in dem verschiedene Konzepte für das „Haus der Zukunft“ realisiert werden.

Webseite: https://futurehaus.de/

Unternehmenssitz: Bad Kreuznach

Mitarbeiter: 14

Gegründet: 2016

Autor: Julian Hörndlein

Solar-Quartier Bad Kreuznach Luftaufnahme

Kontakt

Larissa Theis

Öffentlichkeitsarbeit