In einer gemeinsamen Projektbegleitung hat das Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern die VULKAN Brauerei in Mendig dabei unterstützt, ein KI-basiertes Tool zur Erstellung einer verlässlichen Absatzprognose einzuführen. Das Tool errechnet anhand von historischen, internen Daten und externen Faktoren, wie dem Wetter, aktuellen Trends und Events in der Region, den zu erwartenden Absatz der verschiedenen Biersorten für die kommende Zeit. So kann die Brauerei ihre Produktionsmengen besser an den erwarteten Bedarf anpassen und dadurch Ausschuss sowie mögliche Engpässe reduzieren.
Die Produktionsplanung in einer Brauerei ist weit komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Wetter, Feiertage, regionale Veranstaltungen oder kurzfristige Trends beeinflussen den Bierabsatz oft stärker als erwartet. Gleichzeitig muss lange im Voraus geplant werden – denn zwischen Brauprozess und fertiger Flasche liegen je nach Biersorte mehrere Wochen.
Das Team vom Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern (v.l. Jonas Brozeit, Larissa Theis & Angelina Horbach) bei der VULKAN Brauerei in Mendig (v.l. Geschäftsführer Malte Tack, Braumeister Marc Kovacs, Projektleiterin Yvonne Vilela). Fotos: Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern / A. Sell
Um ihre Produktionsplanung künftig noch präziser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen, entwickelte das Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern für die VULKAN Brauerei aus Mendig ein KI-gestütztes Prognosetool. Die Lösung kombiniert historische Unternehmensdaten mit externen Einflussfaktoren, zeigt aktuelle Lagerbestände sowie voraussichtliche Absatzmengen auf und unterstützt das Brauerei-Team dabei, die Produktionsplanung effizienter und bedarfsgerechter zu gestalten.
Tradition trifft Künstliche Intelligenz
Die VULKAN Brauerei ist mittlerweile die einzige Brauerei in der ehemaligen Bierstadt Mendig. Das Unternehmen verbindet traditionelles Brauhandwerk mit modernen Produktionsverfahren, braut ausschließlich Bio-Biere und setzt konsequent auf regionale Rohstoffe sowie nachhaltige Prozesse. Besonders die alkoholfreien Sorten erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Innovation gehört dabei seit jeher zur Unternehmensphilosophie – auch beim Thema Digitalisierung.
Geschäftsführer Malte Tack hat die VULKAN Brauerei von Beginn an digital aufgestellt.
Vor der Abfüllung werden die unterschiedlichen Biersorten zunächst verkostet und auf einwandfreie Qualität überprüft.
„KI ist für den Mittelstand wichtig, denn für uns war es immer sehr schwierig, individuelle, an uns angepasste Software zu bekommen. Diese Lücke können wir jetzt mit Hilfe von KI schließen und Software genau an unsere Bedürfnisse anpassen, wie wir sie brauchen“, sagt Geschäftsführer Malte Tack.
Die Herausforderung: Viele Einflussfaktoren, schwierige Planung
Für die Produktionsplanung musste die Brauerei bislang zahlreiche Informationen manuell zusammentragen und auswerten. Verkaufszahlen, Lagerbestände, Tankgrößen und Produktionskapazitäten mussten ebenso berücksichtigt werden wie Wetterprognosen, Ferien, Feiertage oder Veranstaltungen in der Region. Die Daten lagen in unterschiedlichen Systemen oder Excel-Dateien vor. Das Sammeln und Aufbereiten war zeitaufwendig und erschwerte eine möglichst präzise Absatzplanung.
„Wir mussten uns die ganzen Daten selbst zusammensuchen und in Excel aufbereiten. Das war sehr aufwendig. Am Ende ist aber eigentlich nur das Ergebnis wichtig. Die KI nimmt uns diese Arbeit ab und verschafft Freiraum für andere Aufgaben“, erklärt Yvonne Vilela, Produktionsplanerin in der Brauerei.
Gemeinsam zur passenden KI-Lösung
Zu Beginn des Projekts analysierten die Expertinnen und Experten des Mittelstand-Digital Zentrums gemeinsam mit der Brauerei die bestehenden Prozesse und definierten die Anforderungen an eine zukünftige Lösung. Anschließend wurden die relevanten Unternehmensdaten strukturiert aufbereitet und mit externen Datenquellen verknüpft. Dazu gehören unter anderem historische Absatzdaten, Lagerbestände, Wetterdaten, Google Trends, regionale Veranstaltungen sowie Ferien und Feiertage.
Auf Basis dieser Daten entwickelte das Unternehmen zusammen mit dem Projektteam vom Zentrum ein Machine-Learning-Modell auf Grundlage von Open Source Modellen zu Gradient Boosting, das zukünftige Absatzmengen möglichst präzise prognostiziert. Mehrere Prototypen wurden gemeinsam getestet, kontinuierlich verbessert und schließlich in Form eines übersichtlichen Dashboards umgesetzt.
So sieht das vom Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern entwickelte Dashboard aus.
„Wir standen während des gesamten Projekts im engen Austausch. Gemeinsam haben wir Prototypen angeschaut, getestet und immer wieder verbessert. Das war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und genau so entsteht am Ende eine Lösung, die wirklich zum Unternehmen passt“, berichtet Vilela.
Weniger Aufwand, bessere Entscheidungen
Heute laufen alle relevanten Informationen in einem zentralen Tool zusammen. Die KI analysiert deutlich mehr Einflussgrößen, als dies manuell möglich wäre, und erstellt daraus belastbare Absatzprognosen. Das Ergebnis für das Unternehmen ist eine präzisere Produktionsplanung, die für eine geringere Überproduktion, weniger Leerlaufzeiten und eine bessere Ressourcennutzung führt. Schlussendlich ergibt sich daraus auch eine deutliche Zeitersparnis bei der gesamten Produktionsplanung.
„Unsere Produktion hängt von unglaublich vielen Variablen ab. Wir Menschen können versuchen, diese bestmöglich zusammenzubringen. Aber eine KI kann diese Vielzahl an Einflussfaktoren wesentlich besser analysieren. Sie hilft uns dabei, die richtigen Mengen je Biersorte vorausschauend zu planen – vom Brauprozess bis zur abgefüllten Flasche“, so Geschäftsführer Tack.
KI als Sparringspartner
Für die VULKAN Brauerei endet das Thema Künstliche Intelligenz nicht mit diesem Projekt. Bereits heute setzt das Unternehmen KI in verschiedenen Unternehmensbereichen ein, zum Beispiel beim Finanzcontrolling und Reporting. Wichtig sei dabei vor allem, die Mitarbeitenden frühzeitig einzubinden.
„Wir verstehen KI als Sparringspartner. Unsere Mitarbeitenden haben die Möglichkeit bekommen, verschiedene Anwendungen auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln. Genau dadurch entstehen Akzeptanz und Begeisterung. KI zu ignorieren, wäre aus meiner Sicht eine unternehmerische Fehlentscheidung“, betont Tack.
Ein Vorbild für den Mittelstand
Für Angelina Horbach, Projektmitarbeiterin am Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern, zeigt das Projekt eindrucksvoll, welches Potenzial Künstliche Intelligenz auch in traditionellen Branchen bietet: „Ziel des Projekts war es, die Absatzprognosen deutlich zu verbessern und dadurch sowohl Überproduktion als auch Leerlaufzeiten zu reduzieren. Die VULKAN Brauerei ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass KI nicht nur etwas für Start-ups oder Digitalunternehmen ist. Gerade traditionelle mittelständische Unternehmen können ihre bestehenden Prozesse mit KI sinnvoll erweitern und so einen echten Mehrwert schaffen.“
Die VULKAN Brauerei braut mehr als 10 verschiedene Biere. Kürzlich erfreuen sich besonders die alkoholfreien Sorten an steigender Beliebtheit.
Im tiefsten Bierkeller der Welt (30m unter der Erde), einem ehemaligen Basaltbergwerk, lagern noch heute die holzfassgereiften Biere der VULKAN Brauerei.
Mit Expertenunterstützung zum Erfolg
Das gemeinsame Projekt zeigt, wie Künstliche Intelligenz mittelständische Unternehmen dabei unterstützen kann, fundiertere Entscheidungen zu treffen und Ressourcen effizienter einzusetzen. Durch die intelligente Verknüpfung interner Unternehmensdaten mit externen Einflussfaktoren verfügt die VULKAN Brauerei heute über eine deutlich belastbarere Grundlage für ihre Produktionsplanung.
Gleichzeitig macht das Projekt deutlich: Der erfolgreiche Einsatz von KI beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit einer klar definierten Herausforderung, einer strukturierten Vorgehensweise und einer engen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Digitalisierungsexperten. Genau darin liegt der Mehrwert, den das Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern kleinen und mittleren Unternehmen bietet.
Autorin: Larissa Theis
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